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Diagnose Therapie Informationen aus der Industrie

Gastroenterologie

Obstipation (Erwachsene): Diagnose

Definition

Erschwerte, zu seltene (alle 3 Tage oder seltener) oder nur durch künstliche Maßnahmen (Laxanzien, Einläufe) und starkes Pressen bewirkte Stuhlentleerung.

Pseudoobstipation

  • In den meisten Fällen keine echte Obstipation, sondern nur "Pseudoobstipation"
  • Normvorstellungen sind falsch – "Horror autotoxicus" – die Angst, sich bei nicht täglichem Stuhlgang aus dem Darm zu vergiften; der Stuhlgang ist "zu hart", "zu wenig", "zu unregelmäßig"
  • Falsche Lebensweise – schlackenarme Kost, Unterdrückung des Stuhldranges, unregelmäßige Ess- und Lebensgewohnheiten
  • Medikamenten-induzierte Obstipation – Sedativa, Kalziumantagonisten, Parasympathikolytika u. a. Diese Formen sistieren bei Fortfall der Noxe oder Korrektur des Fehlverhaltens
  • Obstipation als häufiges Symptom bei irritablem Kolon (siehe auch Funktionelle gastrointestinale Syndrome): Schafkotstuhl, Schleimbeimengungen
  • Diese Formen im Allgemeinen durch die Anamnese klären
Organische Ursachen (selten)
  • Anomalien:
    • Dolichokolon – angeborene Kolonverlängerung (Doppelflinten-Kolon, Sigma elongatum)
    • Kongenitales Megakolon – M. Hirschsprung und Abortivformen
  • Erkrankungen in der Umgebung mit reflektorischer oder mechanischer Beeinflussung des Kolons oder Stoffwechselstörungen:
    • Urogenitaltrakt
    • Leber-Galle-Pankreas
    • Magen
    • Appendix
    • Hypothyreose
  • Entzündliche Stenosen
  • Divertikulitis, M. Crohn, ischämische Kolitis
  • Kolonkarzinom
  • Endokrinopathien:
    • Hypothyreose
    • Hyperparathyreoidismus
  • Neurogene Ursachen:
  • Hypokaliämie
  • Anale Ursachen (Stenose, Fissur, perianaler Abszess, Kryptitis – Papillitis)
Diagnostik
  • entsprechend der vermuteten Grundkrankheit
  • Untersuchung der benachbarten Organe

 

Merke
Bei Karzinomverdacht (kurze Anamnese, Wechsel in den Stuhlgewohnheiten, Blut):

  • rektale Untersuchung (30 % des Rektum-Ca. in Reichweite des Fingers!)
  • Rektoskopie
  • Koloskopie

 

Schwere, funktionelle Obstipation

Im Gegensatz zu den verschiedenen "Pseudoobstipationen" ist diese Form mit den üblichen einfachen Mitteln nicht zu beherrschen.

Ursachen
  • Stark verlangsamte Kolonpassage (Störungen der Koordination im Auerbachschen Plexus)
  • Funktionelle Obstruktion
  • "Anismus" (meist junge Frauen) – Unfähigkeit, den quergestreiften Levator ani und Sphinkter ani externus beim Pressen erschlaffen zu lassen
  • Störungen der Rektumsensibilität: fehlender Stuhldrang bei gefüllter Ampulla recti
Diagnostik
  • Intestinale Transitzeitbestimmung (ileocoecale Transitzeit durch Lactulose-H2-Test, Colontransitzeit durch radiopaque Marker):
  • Tägliche Einnahme von 10 radiopaquen Markern 6 Tage lang, am Tag 0 + 7 Abdomenleeraufnahme: > 40 Marker über das ganze Kolon verteilt beim verlangsamten Transit, Ansammlung im Rekto-Sigmoid bei funktioneller Ausscheidungsstörung

Anorektale Manometrie:

  • Funktion der Sphinkteren, Sensibilität des Rektums

Passagere Obstipation

Ursachen
  • Bei Reisen
  • Bei Allgemeinerkrankungen mit Bettruhe und Appetitlosigkeit
  • Bei Schwangerschaft
  • Postdiarrhoisch nach Gastroenteritis, Abführmittelgebrauch etc.
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Letztes Update:24 Mai, 2011 - 10:37